Arten und Biotope

Stattliches Knabenkraut (Orchis mascula)

Stattliches Knabenkraut
Stattliches Knabenkraut

Das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula) wird in der Roten-Liste Sachsens zu stark gefährdeten Arten gestellt. In Deutschland ist die Art jedoch vor allem in den Kalkgebieten noch häufiger, weist aber regional insbesondere im Bereich der Silikatgebirge ebenfalls gravierende Rückgänge auf. In Sachsen besitzt Orchis mascula einen Verbreitungsschwerpunkt in den (sub-)montanen Grünländern des Osterzgebirge. Die deutlichen Bestandsverluste von Orchis mascula im Osterzgebirge und die Gründe hierfür wurden bereits von verschiedenen Autoren für Sachsen ausführlich diskutiert. Die dort angegebenen Gründe für das Verschwinden der Art gelten ebenfalls für den Oelsener Raum, in dem Orchis mascula noch in den 1950er Jahren weiter verbreitet und teilweise mit individuenreichen Vorkommen vertreten war. Derzeit existieren im Projektgebiet nur noch ein etwas individuenreicheres Vorkommen sowie mehrere individuenarme Bestände dieser basenliebenden Orchideenart.

Es ist seit längerer Zeit bekannt, das die kurzzeitige Etablierungsrate bei vielen Orchideenarten allgemein gering ausfällt. Deshalb kann nur durch wiederholte Einsaat größerer Diasporenmengen auf geeigneten Flächen über längere Zeiträume mit höheren Etablierungsraten gerechnet werden. Der Aufbau vitaler Populationen über Diasporeneinsaaten kann u.U. Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund wurden bereits in den achtziger Jahren erste Versuche zu in-vitro Vermehrungen heimischer Orchideenarten mit unterschiedlichem Erfolg durchgeführt. Das relativ aufwändige Verfahren der in-vitro Vermehrung konnte seitdem auf Grund umfänglicher Erfahrungen verbessert und damit praxistauglicher gestaltet werden. Erst in jüngerer Zeit finden Auspflanzungen von in-vitro vermehrter Orchideen aus indigenen Diasporenquellen auch in der Naturschutzpraxis zunehmend Akzeptanz, unter der Voraussetzung, dass solche Maßnahmen wissenschaftlich begleitet werden. Dieses Verfahren bietet die Möglichkeit, den langen Etablierungsprozess von Orchideenarten zu verkürzen und individuenreiche Bestände als Initiale zum Aufbau vitaler Populationen auszubringen.

Im Rahmen des E+E-Vorhabens werden Möglichkeiten der in-vitro-Vermehrung von Orchis mascula untersucht und durch die Dokumentation der Entwicklung ausgepflanzter Bestände durch populationsbiologische Untersuchungen als neues Verfahren evaluiert. Gleichzeitig wird der Erfolg weiterer im Gebiet angewandter Artenhilfsmaßnahmen (direkt/indirekt) für Orchis mascula umfassend betrachtet.

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Online: http://www.gruenland-osterzgebirge.de/arten-biotope/stattliches-knabenkraut/ [Datum: 19.08.2019]
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