Wissenschaftliche Untersuchungen

Vegetationskunde

Bearbeiter: M. Forker

Ziele

Die vegetationskundlichen Erhebungen konzentrieren sich auf drei Untersuchungskomplexe:

  1. Langzeitwirkung der Regenerationsmaßnahmen
  2. Vegetationsentwicklung ehemaliger Intensivgrünländer
  3. Kartierung der Projektflächen als Grundlage für Standort-Modelle

Den Zielen des gesamten Projektes entsprechend ist das Hauptziel in diesem Teilvorhaben die Überprüfung der langfristigen Effektivität von praxisnahen Regenerationsmaßnahmen. Es geht also um die Langzeitwirkung der bereits durchgeführten Eingriffe. Haben sie jeweils zu dem erhofften Erfolg geführt? Sind kurzfristige Veränderungen mittlerweile von langfristigen Prozessen überlagert worden? Das Bild einer Wiese direkt im Anschluss an eine Maßnahme, oder ein bis zwei Jahre danach kann sich in den darauf folgenden Jahren noch einmal stark verändern. Man muss also wiederholt überprüfen, ob sich die gewünschte Artenvielfalt eingestellt hat.

Im Erfolgsfall konnten aus ehemaligen Intensivgrünländern wirklich naturschutzfachlich wertvolle (sub-)montane Grünländer entwickelt werden. Diese Maßnahme-bedingte Vegetationsentwicklung soll dokumentiert werden. Auch im Falle einer unerwünschten Entwicklung lässt sich so festhalten, welche Arten zu den Gewinnern und welche zu den Verlierern zählen. Da überall in Europa derzeit Methoden zur Wiederherstellung von artenreichen Grünländern ausprobiert werden, ist der Austausch über Erfolg oder Misserfolg bestimmter Maßnahmen besonders wichtig. Eine akribische Erfassung der Veränderung der Pflanzendecke, und die Analyse der Daten im Zusammenhang mit der Wiesenpflege, liefert die dafür notwendige Diskussionsgrundlage.

Neben der Wiederherstellung sind die Vergrößerung und die Verbindung der aufgewerteten Grünländer wesentliche Ziele der Maßnahmen. Veranschaulichen lässt sich ein dahingehender Erfolg am besten auf einer Karte, weshalb auch aus diesem Grund eine Kartierung der Projektgebiete vorgesehen ist.

Methoden: Vegetationsaufnahmen und Kartierung

Die Vegetationsveränderungen werden anhand von Vegetationsaufnahmen untersucht. Dabei werden auf einer Fläche von 5x5m alle vorhandenen Arten erfasst, und mit einem standardisierten Verfahren der jeweilige Deckungsgrad geschätzt. Es kommen zwei Schätz-Skalen zum Einsatz (Londo-Skala, Braun-Blanquet-Skala). Die Aufnahmen werden durch Struktur- und Biomasse-Untersuchungen vervollständigt. Durch Lichtmessungen in verschiedenen Höhen der Wiese und dem Fotografieren vor einer senkrechten Leinwand kann der Aufwuchs quantifiziert werden.

Es sind rund 300 Vegetationsaufnahmen vorgesehen, das entspricht einer Gesamtfläche von 0,75 ha. Das ist etwa die Größe eines ziemlich beliebten Intensivgrünlandes: dem Fußballfeld, das laut Wikipedia zwar gern als Vergleichsmaßstab für den Hektar dient, jedoch meist kleiner ausfällt (68 Meter mal 105 Meter = 0,714 ha).

Die Aufnahmeflächen liegen allerdings nicht dicht an dicht, sondern im Gebiet verteilt. Im NSGP am Geisingberg werden insgesamt 32 Dauerflächen erfasst. Im Oelsener Raum erfolgen 176 Vegetationsaufnahmen in den angelegten Block-Versuchsanlagen, wo als Freiland-Experiment verschiedene Maßnahme-Kombinationen unter unterschiedlichen Startbedingungen ausgetestet werden. Der Vorteil der Blöcke, die i.d.R. sechsmal acht Aufnahmeflächen enthalten, ist die direkte Vergleichbarkeit der abiotischen Bedingungen. Ursächlich für unterschiedliche Entwicklungen der Flächen sind dann mit hoher Wahrscheinlichkeit die unterschiedlichen Maßnahmen, und nicht Bodenverhältnisse oder Nähe zur nächsten Wiese usw.

Die übrigen rund hundert Vegetationsaufnahmen erfolgen als Wiederholungsaufnahmen auf bereits angelegten Dauerflächen bzw. als neue Aufnahmen zur standortgemäßen Beschreibung von Zielgesellschaften.

Die Kartierung schließlich erfolgt großflächig in beiden Gebieten. In einem Teilgebiet im Oelsener Raum ist außerdem eine Kartierung nach Strukturmerkmalen vorgesehen. Vorher werden die während den Vegetationsaufnahmen erfassten Strukturparameter ausgewertet und verallgemeinert, damit sie dann „in die Fläche gebracht“ und mit den anderen räumlichen Informationen verschnitten werden können.

Auswertung

Welche Faktoren beeinflussen maßgeblich die Entwicklung der Vegetationstypen? Auf welchen Flächen lässt sich welche Ziel-Gesellschaft etablieren? Diese Fragen sollen im Anschluss an die Untersuchungen beantwortet werden können.

Gängige Klassifikations- und Ordinationsverfahren der Vegetationskunde kommen bei der Datenauswertung zum Einsatz. Weitere Methoden der multivariaten Statistik werden angewendet, um die Artenzusammensetzung einzelner Flächen gegenüberstellen zu können. Räumliche und zeitliche Vergleiche der angetroffenen Vegetationszusammensetzung bilden die Grundlage für die Beschreibung der Fortschritte im Gebiet.

Die Ergebnisse sollen anschießend auf andere Gebiete übertragbar sein und eine Unterstützung für die standortbezogene Leitbildanalyse und der damit verbundenen Kosten-Nutzen-Abschätzung bei ähnlichen Regenerationsvorhaben bieten.

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Online: http://www.gruenland-osterzgebirge.de/wissenschaftliche-untersuchungen/vegetationskunde/ [Datum: 18.10.2019]
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