Wissenschaftliche Untersuchungen

Populationsbiologie

Bearbeiter: M. Zieverink/ S. Hänel

Einleitung

Eine der Hauptursachen für den Artenrückgang ist der Verlust von geeigneten Habitaten. Mit der Rückentwicklung ehemals sowohl intensiv als auch extensiv genutzter Flächen hin zu Zielgesellschaften (sub-) montaner Grünländer sollen seltene und gefährdete Arten, die typische Vertreter dieser Vegetationstypen sind, bei ihrer Re-Etablierung und Ausbreitung unterstützt werden.

Häufig reichen die Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen nicht aus, um die Bestände dieser Arten zu vergrößern oder aber neue Bestände auf Flächen, die hierfür geeignet sind, zu etablieren. Gründe für eine ausbleibende Entwicklung liegen oft in einer zu geringen Größe der Bestände, ungenügender Anzahl und Ausbreitung der Diasporen oder einer zu hohen Keimlingssterblichkeit.

Aufgaben und Ziele

Zielarten des Naturschutzes sollen sich in langfristig überlebensfähigen Populationen erhalten oder wieder ansiedeln können. Für ein optimales, auf die Bedürfnisse von seltenen und gefährdeten Arten ausgerichtetes Pflegemanagement braucht es weitreichende Kenntnisse z. B. der Keimungs- und Etablierungsbiologie und der ökologischen Ansprüche der jeweiligen Art. Deshalb sollen verschiedene Maßnahmen zur Pflege zum Erhalt, zur bestandsstärkenden Unterstützung und zur Etablierung neuer Bestände evaluiert werden.

Zielarten

Kriterien für die Auswahl der Zielarten waren ihre Seltenheit und Gefährdung in Sachsen und in Deutschland, die Verantwortlichkeit Deutschlands für den Erhalt der Art, besondere Merkmale des Vorkommens/Areals sowie unterschiedliche Verbreitungs- und Etablierungsstrategien.

  Rote Liste Schutzstatus Verantwortlichkeit Deutschlands nach
Art Dt. SN Rote Liste Welk Ludwig et al.
Arnica montana L.
Berg-Wohlverleih
3 2 besonders geschützt keine große hohe!
Crepis mollis (Jacq.) Asch.
Weicher Pippau
3 3 kein Schutzstatus stark! sehr große besonders hohe!!
Dianthus sylvaticus Willd.
Busch-Nelke
2 1 besonders geschützt stark! große hohe
Genitianella lutescens (Velen.) Holub
Karpaten-Fransenenzian
1 1 streng geschützt keine große hohe!
Orchis mascula (L.) L.
Männliches Knabenkraut
- 2 besonders geschützt keine keine Angabe keine

Artenauswahl und Gefährdungsstatus der Zielarten nach den Roten Listen Deutschlands und Sachsens (BfN 1996, LfULG 2013), Schutzstatus und besondere Verantwortlichkeit Deutschlands für den Erhalt der jeweiligen Art (nach Rote Liste Dt. sowie Welk 2002 und Ludwig et al. 2007, Angaben nach Floraweb 2014). (Rote Liste Status: 1= vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, V = Vorwarnliste).

Untersuchungsansätze

Während des Hauptvorhabens des E+E Projektes und in den darauffolgenden Jahren wurden für die Zielarten investive Artenhilfsmaßnahmen durchgeführt, in deren Zusammenhang auf ausgewählten Flächen gezielt Diasporen und vorgezogene Pflanzen eingebracht wurden. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird evaluiert.

Ein Vergleich der Entwicklung von Alt-und Initialbeständen auf verschiedenen Flächen hinsichtlich Keimung, Überleben und Reproduktion (auch unter unterschiedlichen Formen der Pflege) erlaubt Rückschlüsse auf positive und negative Effekte auf diese Populationen. Begleitende Messungen von Standortfaktoren wie Licht, verschiedener Bodenparameter, Bodenfeuchtigkeit und Begleitvegetation sollen in ein artspezifisches Standortmodell einfließen und eine besseren Auswahl von Wiederansiedlungsflächen ermöglichen.

Experimentelle Ansätze

Diese zielen auf Arten ab, die bisher im Oelsener Gebiet sehr selten sind oder deren Populationen so klein sind, dass aufgrund dessen die Vorkommen selbst nur sehr eingeschränkt für weitergehende Untersuchungen geeignet sind. Dies betrifft in Oelsen insbesondere Gentianalla lutescens und Orchis mascula. Die Kenntnisse über die Etablierungsschranken dieser Arten sind bisher so gering, dass zunächst weitreichendere Untersuchungen erforderlich sind, um effektive Arterhaltungsstrategien entwickeln zu können. Dazu werden Experimente durchgeführt, bei denen einzelne Standortparameter gezielt manipuliert werden, um deren Auswirkungen auf die Keimung und Etablierung zu untersuchen.

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Online: http://www.gruenland-osterzgebirge.de/wissenschaftliche-untersuchungen/populationsbiologie/ [Datum: 18.10.2019]
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