Ergebnisse

Ergebnisse Teilprojekt Diasporenökologie

Bedeutung der Diasporenbank von Leitarten und Maßnahmeflächen

Generell wird für die Regeneration artenreicher, standortstypischer mesophiler Wiesengesellschaften von einem relativ geringen Beitrag der Diasporenbank ausgegangen (HÖLZEL et al. 2006; JENSEN 1995; WAESCH 2003).

Für eine flächenhafte Reetablierung der Zielvegetation im Projektgebiet Oelsen ist die Aktivierung der Diasporenbank vor allem im mesophilen Standortkomplex nicht ausreichend, da Arten mit geringem Überdauerungsvermögen in der Diasporenbank dominieren oder nur eine unzureichende Verlagerung in die Diasporenbank erfolgt.

Die Diasporenbank spielt bei der Regeneration artenreicher Wiesen aus unterschiedlichen Zwischennutzungstypen mit Hilfe bodeninvasiver Verfahren (Oberbodenabtrag, Bodenverwundung) jedoch insofern eine Rolle als

Fruchtphänologie von Leitarten und Maßnahmeflächen

Das Verhältnis von Schnittzeitpunkt und Fruchtreife der Wiesenarten bestimmt entscheidend, welche Arten am Standort generativ verjüngt und über Diasporen ausgebreitet werden können. Die generative Regeneration am Standort ist vor allem für annuelle und bienne Arten (z.B. Rhinanthus spec., Pedicularis sylvatica) entscheidend. Diasporenausbreitung ist jedoch für den Populationsverbund und für die Besiedlung potentieller Standorte generell wichtig und kann durch die Bewirtschaftung unterstützt (Transport an Mähgeräten/ im Heu), verhindert (zu frühe oder ungünstige Mahdtermine) oder gezielt beeinflusst werden (Mähgutübertrag). Vom Mahdzeitpunkt hängen hierbei Artenspektrum und Diasporenmengen ab

Für die Abschöpfung der Diasporen zur Heuansaat ist neben dem Zeitpunkt des frühesten Auftretens reifer Diasporen auch die Dauer des Diasporenangebotes entscheidend.

Arten mit Fruchtschwerpunkt im Frühsommer können im ersten Aufwuchs bei allen Mahdterminen ab 15.07. am Standort aussamen. Konflikte entstehen, wenn Arten dieser Gruppen in Regenerationsflächen mit frühem Extensivierungsschnitt aufkommen. Für alle später fruchtenden Arten ist die generative Regeneration am Standort aus dem Hauptaufwuchs abhängig von der konkreten Mahdterminfestlegung und den Witterungsbedingungen.

Für die Gruppe der relativ früh fruchtenden Arten (darunter Arnica montana und Scorzonera humilis), ist eine Übertragung bei Standard-Schnitt-Terminen nur ausnahmsweise zu erwarten und unterliegt starken Schwankungen in den Samenmengen.

Längere Fruchtphasen können durch kontinuierliche Blühabfolge , langfristiges Anhaften reifer Samen , zeitliche Variabilität der Population oder zeitlich klar getrennte Blüh- und Fruchtwellen bedingt sein. Arten mit sehr spätem Fruchtbeginn können im Hauptaufwuchs nur bei sehr spätem Mahdtermin aussamen oder abgeschöpft werden. In den frischen Wiesentypen wird dies nur bei witterungsbedingten Verschiebungen praktiziert, in den Feuchtwiesengesellschaften entspricht dies der Regelpflege.

Bei regulärer Mahd zwischen 01.07. und 30.07. werden im zweiten Aufwuchs nur sehr begrenzt Diasporen ausgebildet. Zur Beerntung für die Mähgutübertragung ist der zweite Aufwuchs bei Pflegemahd daher ungeeignet.

Zur Verbesserung der Bestandesstruktur wird jedoch eine gelegentliche Frühmahd (vor dem 01.06.) empfohlen. Bei entsprechend früher Mahd kann ein großer Teil der Arten noch im zweiten Aufwuchs blühen und fruchten.

Diasporentransportwege

Windausbreitung (anemochorer Diasporentransport) kann nur für einen sehr kleinen Teil der typischen Arten der (sub)montanen Grünländer im Projektgebiet als regelmäßiger und effektiver Ausbreitungsmodus erwartet werden. Umfangreiche anemochore Diasporeneinträge wertgebender Vegetation in benachbarte Regenerationsflächen waren nicht feststellbar.

Grundsätzlich können Mähgeräte zur Diasporenübertragung beitragen. Große Diasporenmengen vorrangig häufiger Arten können übertragen werden. Durch die Mahd einer Vielzahl von Flächen zu einem Termin wird das Übertragungspotential hinsichtlich des Artenspektrums beschränkt. Insbesondere werden sehr früh oder spät blühende Arten sowie Arten mit kurzer Fruchtphase benachteiligt.

Zur aktiven Nutzung des Diasporeneintrages werden derzeit das Abkehren der Abdeckschürze und des Gestells sowie das Entfernen der Ansammlungen an der Welle auf der Folgefläche empfohlen. Um die übertragbaren Diasporenmengen zu erhöhen, wird das Anbringen von Fangrinnen und -taschen am Mähgerät diskutiert.

Die Vernetzung durch Mähgeräte ist auf Flächen gleichen Mahdregimes beschränkt. Eintrag aus einschürig gemähten Pflegeflächen in zweischürig gemähte Extensivierungsflächen ist deshalb durch Mähgeräte nicht gewährleistet.

Bei Betreuung auch entfernterer Flächen durch den Pflegebetrieb sind großräumige Verschleppungen von Arten möglich. Dies muss auch bei der Bewirtschaftung von Flächen mit naturschutzfachlich problematischen Arten (z.B. Lupinus polyphyllus) berücksichtigt werden.

Für die Einbringung der Grundartenausstattung und eines kleinen Sets seltener und gefährdeter Arten in ehemalige Intensivgrünländer (vorzugsweise bei intensiver Vorbereitung des Saatbetts wie z.B. Oberbodenabtrag) erwies sich das Verfahren der Mähgutübertragung aus dem Ernteschnitt als sehr gut geeignet.

Insbesondere für die Aufwertung von ehemals intensivierten Bergwiesen, die bereits über eine Vielzahl häufiger Arten des extensiven Grünlandes verfügen, erscheint die wenig selektive Mähgutübertragung jedoch nicht optimal genug. Arten mit geringer Abundanz auf der Spenderfläche werden unzureichend übertragen. Arten mit frühen oder sehr späten Reifeterminen werden im angewandten Verfahren (Nutzung des Regelschnitts) nur geringfügig oder nicht übertragen.

Keimung, Etablierung und Regeneration unter verschiedenen Pflegemaßnahmen

Die besten Ergebnisse im Hinblick auf die kurzfristige Etablierung eines breiten Sets an Soll-Arten durch Einsaat wurden bei Abtrag der Vegetationsschicht und Freilegung des Bodens = Oberbodenabtrag erreicht. Ob die Bodenabtragsflächen gemulcht werden, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Samenauftragsmengen müssen sehr hoch angesetzt werden ,insbesondere bei Arten mit geringer Keimungsneigung und hoher Mortalität empfindlicher Juvenilstadien (z.B. Trollius europaeus).

Literatur

Logo BMU Logo BfN Logo HTW Logo Landesverein Sächsischer Heimatschutz e.V.

Online: http://www.gruenland-osterzgebirge.de/ergebnisse/diasporenoekologie/ [Datum: 18.10.2019]
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